Alltagsorganisation

Die Rollenveränderung ist eine Herausforderung im Verlauf der Krebsbehandlung. Manche Verantwortlichkeiten im Alltag werden gerade in der Partnerschaft anders verteilt. Aufgaben abgeben, für die man jahrelang verantwortlich war, heisst abhängiger zu werden. Dies kann frustrierend aufzeigen, was alles im Moment nicht geht wie sonst. Darunter werden manche reizbarer oder kritisieren viel. Auch Schulgefühle, für andere eine Belastung zu sein, können auftreten. Auf der anderen Seite kann auch das Übernehmen von neuen Aufgaben manchmal das Gefühl der Überforderung auslösen. Es recht machen zu wollen fordert alles und kann erschöpfen. Zeit fehlt. 

Als Berater können Sie unterstützen, indem:

  • Sie die Gewinne des Rollentauschs aufzeigen und motivieren (es fördert das gegenseitige Verständnis; es zeigt, dass man einander vertraut; es stärkt die Beziehung; das Loslassen von Aufgaben schafft Energie; das Annehmen von Aufgaben stabilisiert die Familie)
  • Sie die Veränderungen (aber auch was gleich bleibt wie vorher) in den Rollen besprechen
  • Sie die Verantwortungsbereiche klar abstecken, insbesondere bezüglich der Aufgaben als Eltern.
  • Sie mit einem Terminplan wie dem FAMOCA-Kalender arbeiten, um Verbindlichkeiten zu schaffen und den Überblick nicht zu verlieren.
  • Sie mögliche weitere Veränderungen im Verlauf der Behandlung und damit Neuanpassungen der Rollenverteilungen antizipieren. 

Wenn die Hauptbezugsperson der Kinder erkrankt ist, sind der gesunde Elternteil und die nahen Angehörigen in der Erziehung und im Alltag mehr gefordert. Dies ist auch für die Kinder ungewohnt, bekannte Abläufe verändern sich und es kann verunsichern, mit welchen Anliegen sie nun zu wem gehen sollen. 

Als Berater können Sie die Kinder in dieser Situation unterstützen, indem:

  • Sie die Kinder in die Veränderung miteinbeziehen. Den Kindern sollte klar sein, wer nun wann für was verantwortlich ist und was so bleibt wie vorher.
  • Sie Fragen und Wünsche der Kinder miteinbeziehen.
  • Sie mit der Familie im Alltag genügend positive Zeiten als Familie (krebsfreie Zeit) und Routinen einplanen.
  • Sie den gesunden Elternteil / oder Angehörigen unterstützen, der nun für die Kinder zu einer wichtigen Bezugsperson wird. Er/Sie sorgt für die emotionale Stabilität der Kinder und bietet eine verlässliche Beziehung. Gibt es etwas wo er / sie sich unsicher fühlt? Was läuft gut? Wo schöpft er / sie Kraft?

Die Forschung zeigt: Krebsbetroffene mit einer guten Unterstützung erleben weniger psychischen und körperlichen Stress und sind eher in der Lage, die Erkrankung aktiv zu bewältigen. Andere Menschen um Hilfe zu bitten oder Hilfe anzunehmen fällt jedoch manchen schwer. Hinzu kommt, dass Aussenstehende manchmal nicht wissen, wie sie helfen sollen oder in einer Art reagieren, die für die Betroffenen nicht besonders hilfreich ist.

So können Sie als Berater unterstützen:

  • Verschaffen Sie sich erst einen Überblick über das derzeitige Helfernetz. Notieren Sie auf dem Arbeitsblatt wer Ansprechperson ist, wer wie unterstützt. So sehen Sie auch wo Lücken bestehen, und mit wem Sie gegebenenfalls Kontakt aufnehmen und zusammenarbeiten können.
  • Klären, wo die Unterstützung nötig und gewünscht ist. Motivation: Für Menschen die helfen, kann dies ein gutes Gefühl des „Ich kann etwas beitragen“ sein und die Belastung senken.
  • Wer kann wie unterstützen: organisatorisch, im Haushalt, in der Klärung von rechtlichen oder finanziellen Fragen, beim Beschaffen von Informationen, in der emotionalen Unterstützung
  • Die Kommunikation zu und zwischen den Helfern klären: Wer informiert über Änderungen?
  • Gibt es eine Möglichkeit, den Helfer auch etwas Gutes zu tun?
  • In dem Sie die Helfer in einem Familienkalender einplanen (bspw. FAMOCA-Kalender)

Im FAMOCA-Kalender haben wir für die Familie relevante Bereiche während der Krebsbehandlung zur Planung zusammengestellt.

⇒ Spital- und Therapietermine:  Krebsspezifische Termine und Abwesenheiten eintragen 

⇒ Organisation Helfer: Auch Helfer (Soziale Unterstützung) können eingeplant werden.

⇒ Zum normalen Alltag gehören positive Aktivitäten, die nicht unbedingt mit Krebs im Zusammenhang stehen müssen: Zeit mit Freunden, Zeit für sich selber, Zeit als Paar, Familienaktivitäten (krebsfreie Zeit).

⇒ Kinder können eigene Aktivitäten eintragen, malen, mit Stickers markieren usw.