Kinder miteinbeziehen

Viele Kinder verspüren den Wunsch, dem erkrankten Elternteil zu helfen. Es gibt ihnen das Gefühl, etwas praktisch tun zu können und ist eine Bewältigungsstrategie für die Ohnmachts- und Schuldgefühle. 

Parentifizierung

Manche ältere Kinder und Jugendliche, vor allem jugendliche Töchter, übernehmen jedoch mit zusätzlichen Haushaltstätigkeiten und Verantwortlichkeiten fast die Rolle eines gesunden Erwachsenen. Dies kann so weit gehen, dass sich Kinder den eigenen Eltern gegenüber wie ein Erwachsener oder den Geschwistern gegenüber wie ein Elternteil verhalten. Häufig besteht bei den Eltern, insbesondere bei alleinerziehenden, auch eine emotionale Bedürftigkeit und sie suchen Nähe und Trost bei den Kindern. Für die Eltern bedeutet dieser Mehreinsatz der Kinder eine Entlastung. Da die Kinder für die Eltern stark und präsent sein wollen, stellen sie eigene Bedürfnisse in den Hintergrund. Dies kann zur Isolation von der Aussenwelt, zu einer blockierten Autonomieentwicklung und zu emotionalen Nöten führen, die nicht gleich erkannt werden.

Überforderung in der Beratung oder als Lehrperson erkennen

Wenn ein Kind zunehmend auf eigene Aktivitäten verzichtet, die freie Zeit immer zu Hause verbringt, schulische Schwierigkeiten bekommt und deutlich weniger Fürsorge der Eltern in Anspruch nimmt, so können dies Anzeichen einer Überforderung sein. 

Ein klärendes Gespräch mit dem Kind in Anwesenheit beider Elternteile über seine Aufgaben kann hier frühe Abhilfe schaffen.

In der Beratung

Besprechen Sie in Anwesenheit der Eltern, was altersgerecht Helfen bedeutet. Nämlich helfen ohne den Blick auf die eigenen Bedürfnisse zu verlieren. Der Auftrag soll konkret und durchführbar sein und nach dessen Ausführung ist das Kind aus der Verantwortung wieder entlassen. Das heisst, das Kind / der Jugendliche kann seinem gewohnten Leben nachgehen.

  • Mit Jugendlichen und älteren Kindern hat sich ein Aufgabenplan als praktisch erwiesen. Tätigkeiten können gemeinsam gefunden und an einem bestimmten Wochentag zu einer bestimmten Zeit eingetragen werden. Mögliche Ideen dazu: Helfen beim Aufräumen, Helfen beim Essen machen, Pflanzen giessen, Post holen, Tisch decken, die Katze füttern usw.
  • Kleinere Kinder sollten nicht alleine die Aufgaben eines Erwachsenen übernehmen. Sie können aber einem Erwachsenen bei einer Tätigkeit mithelfen.
  • Jedes Kind hilft auf seine eigene Art und es muss nicht immer in Form von Haushaltstätigkeiten sein. Jüngere Kinder bringen zum Beispiel Blumensträusse, erzählen einen Witz oder bringen ihr Lieblingsstofftier/-buch als Glücksbringer. Helfen kann auch heissen, gemeinsam eine gute Zeit verbringen oder auf andere Gedanken zu kommen.