Coping bei Eltern & Jugendlichen

Wenn Sie als Fachperson die folgenden Bewältigungsstrategien empfehlen möchten, kann es hilfreich sein, die Übungen erst selber auszuprobieren. Die Strategien sind nicht nur krebsspezifisch, das heisst sie können in allen schwierigen Lebenslagen hilfreich sein!

Um auf eigene Gefühle reagieren zu können, hilft es, sie möglichst gut erkennen zu können. Die ersten Boten von Gefühlen sind häufig körperliche Signale wie Herzklopfen, Erröten, Veränderung der Atmung usw. Bei Selbstbeobachtungen können diese Signale erst einmal eingeordnet werden: Es sind momentane Zustände, die sich über Zeit von alleine verändern. 

Was Sie empfehlen können:

Für die Selbstbeobachtung: Erkennen von Zusammenhang Situation-Gedanken-Gefühle-Verhalten können Sie den Eltern und Jugendlichen die Vorlage von FAMOCA mitgeben. Eltern, Jugendliche

Die Achtsamkeitsübungen von FAMOCA unter "achtsam bleiben" unterstützen diese Selbstbeobachtung. Eltern, Jugendliche

Mit Achtsamkeitstechniken ("Mindfulness") wird geübt, das Hier und Jetzt bewusst wahrzunehmen, und von Zukünftigem und Vergangenem Abstand zu nehmen. Zur Akzeptanz- und Commitment Therapie (ACT) gibt es mittlerweile eine Reihe an Literatur zum Selbststudium bzw. -anleitung. Lesen Sie hier unsere Zusammenfassung.

Sollen die belastenden Gefühle verändert werden (bspw. weniger Angst haben) kann ähnlich wie bei den Problemlösestrategien nach Strategien gesucht werden, um die Situation zu entschärfen oder die Belastung zu verkleinern. Gibt es erkennbare Auslöser für die Situation, die man verändern kann? Gibt es etwas das während der Situation hilft, dass die belastenden Gefühle nicht andauern, bsp. ein anderes Verhalten? Gibt es Möglichkeiten, nach der Stresssituation für Erholung zu sorgen?

Was Sie empfehlen können: Lassen Sie eine Stresssituation konkret beschreiben, und füllen Sie danach die Vorlage "Stress verringern" (PDF) aus. Gute Lösungsschritte sind solche, die ein aktives Herangehen zeigen, gut umsetzbar und der Erfolg selber überprüfbar sind. Eltern, Jugendliche

Gedanken können Gefühle stark mitbeeinflussen. Zum Beispiel findet ein Arzt-Patient Gespräch statt, das jedoch nach kurzer Zeit wieder beendet wird. Diese Situation kann nun auf verschiedene Arten interpretiert werden. Gedanken, die mit belastenden Gefühlen einhergehen, haben oftmals bestimmte Merkmale:

  • Es sind Katastrophengedanken (zum Beispiel: „Es ist etwas nicht in Ordnung, dass er mich so schnell wieder los haben wollte.“ Gefühl: Sorge)
  • Oder sie sind einseitig (zum Beispiel: „Es gibt nur einen Grund, warum es so ist…“)
  • Sie beinhalten (Selbst-)Kritik (zum Beispiel: „Er mag mich nicht“ oder „Ich bin schuld daran.“ Gefühle: Schuldgefühle, Traurigkeit)
  • Und pendeln zwischen Schwarz und Weiss (zum Beispiel: „ Er weist mich IMMER weg“, „Ich kann NIE meine Fragen stellen“ oder „NIEMAND versteht mich.“ Gefühle: Ärger, Traurigkeit, Hilflosigkeit)
  • Hingegen zum Beispiel „Ich möchte nicht mit dem Arzt tauschen, es ist ein Stressjob.“ führt eher zu Erleichterung oder neutralen Gefühlen.

Ein Gedanke ist oftmals wenig bezogen auf das, was wirklich gerade Sache ist, also die Realität. 

Was Sie empfehlen können: Lassen Sie die Person überprüfen, ob der Gedanke zutrifft.

  • Wie würde mein Freund / meine Freundin darüber denken?
  • Wie denke ich in ein paar Tagen darüber?
  • Gibt es eine andere Betrachtungsmöglichkeit?
  • Was wäre eine negativere / was wäre eine positivere Interpretation?

In der Vorlage "Stress verringern" können Eltern und Jugendliche können alternative Gedanken gesammelt werden.

Was auf Dauer nicht hilft

Nicht hilfreiche Verhaltensweisen ermöglichen keine Veränderung. Sie können zwar manchmal kurzfristig erleichtern, verstärken jedoch langfristig die Belastung (zum Beispiel ein Rückzug von Familie und Freunden oder Alkoholkonsum). Hilfreich sind die Coping-Strategien dann, wenn sie zu einer Entlastung führen oder einen aktiven Umgang mit der Situation fördern.

Was Sie empfehlen können: Insgesamt soll die Waage in der Balance gehalten werden: Wenn die Belastung zunimmt, brauchen Menschen für ein psychisches Gleichgewicht mehr positives, zum Beispiel Erholung, Kontakt oder Bewegung. Oder wie wäre es mit einem lustigen DVD-Abend mit der Familie?