Paare beraten und stärken

Laut Untersuchungen ist eine Krebserkrankung für die Mehrzahl der Paare eine Herausforderung die mittel- und langfristig zu einer positiven Entwicklung führt. Es wurden verschiedene Faktoren identifiziert, die eine solche positive Entwicklung begünstigen. Im Folgenden finden Sie Anregungen und Materialien, was Sie in der Beratung empfehlen können. Eltern finden diese Materialien unter Gefühle: Partnerschaft stärken.

Paare, die eine Krebserkrankung gemeinsam langfristig gut bewältigen, haben eine flexible Kommunikation. Sie können zwischen offenen und vertrauensvollen Gespräche über ihr Erleben und Gesprächen über andere, krankheitsunabhängige Themen hin und herpendeln. Und sie können mit Unterschieden im Redebedürfnis umgehen.

Was Sie in der Beratung empfehlen können:

  • Unterschiede im Redebedürfnis sind völlig in Ordnung und müssen nicht verändert werden. Aber Sie können einen gemeinsamen Umgang mit den Unterschieden suchen.
  • Es ist in Ordnung, nicht über alles miteinander sprechen zu wollen. Vielleicht fällt es Ihnen zu einem anderen Zeitpunkt leichter oder Sie merken, dass Sie gerade eine andere Bewältigungsstrategie bevorzugen. Teilen Sie dies einander mit.
  • Räumen Sie belastenden Sorgen, Gedanken und Gefühlen und unbeschwerten Themen genügend Platz in Ihren Gesprächen ein.
  • Beenden Sie ein belastendes Thema mit einem unbeschwerten, um wieder zurück in den Alltag zu finden.

Sowohl der an Krebs erkrankte, wie auch der / die Partner/in erleben starke oder auch wechselnde Gefühlslagen. Paare die über ihre Gefühle und ihr Wohlbefinden sprechen, unterstützen sich verbal und nonverbal. Sie bemühen sich um eine Wohlwollende Art und suchen gemeinsam nach einer Lösung.

Was Sie in der Beratung empfehlen können:

  • Starke oder wechselnde Gefühle gehören dazu und sind bei allen erlaubt.
  • Es ist in Ordnung diese Gefühle rauszulassen, alleine oder miteinander - aber nicht gegeneinander.
  • Gefühle haben unterschiedliche Ursachen: deren gemeinsame Klärung kann Lösungen fördern.
  • Das Bemühen um Verstehen wie auch eine wohlwollende und nicht kritisierende Haltung kann einer Eskalation entgegenwirken.
  • Unterstützung kann auch nonverbal (Berührung, in den Arm nehmen) sein. Vor allem auf ein nonverbal ausgedrücktes Gefühl, bspw. ein sorgenvoller Gesichtsausdruck, wirkt eine Umarmung manchmal mehr, als ein ausführliches Gespräch!
  • Erwarten Sie nicht, dass Ihr/e Partner/in Ihnen die Wünsche von den Augen abliest. Sagen Sie, was hilfreich ist und was nicht, ohne dabei zu kritisieren.
  • Wenden Sie die Kommunikationsregeln aus KOMMUNIKATION an. 

Paare verbringen unterschiedlich viel Zeit zu zweit und es gehört zum Leben dazu, dass sich dies je nach Situation und Lebensabschnitt verändert. Erfolgreiche Paare tauschen sich über das unterschiedliche Bedürfnis nach gemeinsamer Zeit aus und versuchen einen gemeinsamen Weg zu finden, den gegenseitigen Erwartungen gerecht zu werden. Wunschvorstellung und reale, gelebte Situation werden miteinander verglichen. Einige Paare berichten später, dass sie die Zeit bewusster gemeinsam genutzt und gestaltet haben. 

Was Sie in der Beratung empfehlen können:

  • Empfehlen Sie dem Paar die Kreisübung auf FAMOCA (für die Eltern zu finden unter GEFÜHLE: Erleben und Ausprobieren). Sie hilft dabei, Bedürfnisse zu erkennen und eine Annäherung an die Wunschvorstellungen zu vollziehen.
  • Mit der Füreinander-Liste auf FAMOCA können Paare Ideen sammeln, wie sie die gemeinsame Zeit verbringen wollen. So kann die Paarzeit zu einer wichtigen Ressource und Tankstelle werden. 
Wunschkreis
Realitätskreis

Die Sexualität ist bei einer Krebserkrankung meistens zumindest über eine gewisse Zeitspanne beeinträchtigt. Manchmal wird die körperliche Nähe, das Spüren der Körperwärme des anderen oder gegenseitiges Halten oder Streicheln, wichtiger als der Geschlechtsverkehr. Scham und Ekel können auftreten, wenn sich das Körperbild verändert hat, wie beispielsweise beim Haarverlust bei einer Chemotherapie, Operationsnarben, einem Port-a-cath oder nach einer Brustentfernung. Das Akzeptieren der körperlichen Veränderungen wird von einigen Betroffenen als eine der grössten Herausforderungen eingestuft. 

Auch Partner, Kinder, Freunde und Angehörige können aufgrund der körperlichen Veränderungen Angst haben, etwas falsch zu machen oder gar Schmerzen zu bereiten und vermeiden deshalb Körperkontakt.

Eine behutsame Annäherung kann beiden helfen, den Bezug zum Körper wieder aufzubauen. Wichtig ist dabei, positive Erfahrungen mit dem Körper zu machen und dabei die Grenzen der erkrankten Person wie auch die des Partners/der Partnerin zu respektieren. 

Was Sie in der Beratung empfehlen können:

  • Bei der Sexualität gibt es keine festen Regeln, sie kann auf vielfältige Art und Weise gelebt werden, Geschlechtsverkehr kann, muss aber nicht dazugehören. Wichtig ist, sich Zeit zu lassen und keinen Druck zu machen, dort wieder anzusetzen, wo man als Paar vor der Erkrankung war. Auch die Sexualität entwickelt sich in langjährigen Partnerschaften weiter.
  • Sie können die Anleitung zur Fussreflexzonen-Massage auf FAMOCA empfehlen. Das Wohlbefinden steht dabei im Vordergrund. Es gibt verschiedene Studien, die zeigen, dass sich regelmässige Flussreflexzonenmassage bei Brustkrebspatientinnen positiv auf das Wohlbefinden, die Zufriedenheit und den Erholungsprozess auswirkt.
  • Bei folgenden Gesundheitszuständen wird eine Fussreflexzonenmassage jedoch nicht empfohlen: Akute Entzündungen im Venen- und Lymphsystem, Aneurismen, Melanome, Neurologische Krankheiten (z.B. Epilepsie), Psychosen / Schizophrenie, Organtransplantationen.
  • In den Broschüren der Krebsliga gibt es weitere Informationen zur Veränderungen des Körpers und der Sexualität

Jeder Mensch bringt seine Stärken in eine Beziehung mit. In vielen langjährigen Partnerschaften geht das Auge für die Stärken des anderen im Verlauf etwas verloren, man kritisiert sich gegenseitig mehr als dass man sich lobt. Erfolgreiche Paare versuchen sich immer wieder bewusst zu machen, wofür er / sie den anderen schätzt, wo der Partner / die Partnerin stark ist.

Was Sie in der Beratung empfehlen können:

  • Regen Sie das Paar an darüber nachzudenken, wofür sie sich gegenseitig schätzen, was der andere besonders gut kann und wie Ihre Stärken miteinander harmonieren.
  • Ein Vorschlag: Manchmal fällt es leichter, dem Partner / der Partnerin einen Brief zu schreiben, um ihm / ihr für die Stärke zu danken. Das Schöne ist, dass dieser Brief jederzeit wieder gelesen und dadurch besonders in schwierigen Momenten für Ihren Partner / Ihre Partnerin auch zu einem Kraftquell werden kann.