Mit der eigenen Betroffenheit umgehen

Mit den eigenen Gefühlen und Gedanken umzugehen ist auch für Fachpersonen, die täglich mit Krebspatienten zu tun haben, eine Herausforderung. Es gibt immer wieder Schicksale, die nahe gehen. Insbesondere wenn Kinder mitbetroffen sind. Hinzu kommt dass wir unterschiedliches Wissen über die Krankheit und Erfahrungen haben, die unsere Reaktion mitprägen. Auch ist es verständlich, dass wir helfen wollen, und dies manchmal mit sehr viel Hingabe.

Für das eigene Wohlbefinden, aber auch um im Kontakt mit den Betroffenen eine gewisse Professionalität bewahren zu können, lohnt es sich, sich mit der eigenen Reaktion auseinander zusetzen und nach Lösungen zu suchen. Hier einige Anregungen:

  • Beschreiben Sie Ihre Gefühle und Gedanken, versuchen Sie sie wahrzunehmen. Sie sind eine normale Reaktion. Mehr dazu finden Sie unter Gefühle.
  • Nutzen Sie Ihre Bewältigungsstrategien. Jeder hat in seinem Leben bereits verschiedene schwierige Situationen gemeistert und dabei Strategien angewendet, die entlastet oder die Situation gelöst haben. Vielleicht möchten Sie Ihre Bewältigungsstrategien wieder auffrischen? Oder Sind Sie auch offen etwas Neues auszuprobieren? Anregungen finden Sie unter Alltag und Gefühle.
  • Erlauben Sie Ihren Gefühlen und Gedanken einfach zu sein. Sie werden nicht einfach so verschwinden und unterdrücken hilft auf längere Sicht nicht. Probieren Sie dazu die Achtsamkeitsbasierten Hörübungen unter Gefühle aus.
  • Versuchen Sie eine übermässige Verantwortungsübernahme (Bspw. „Ich muss dafür sorgen, dass es der Familie gut geht“, „Ich bin Schuld, wenn das Kind in der Schule versagt“) zu erkennen und sich zu entlasten. Die Krebserkrankung ist zu gross, um die alleinige Verantwortung zu übernehmen. Und niemand trägt Schuld am Krebs, auch der Stress oder die Unterstützung hat keinen Einfluss auf den Verlauf.
  • Wissen Sie, was Sie motiviert zu helfen? Es kann manchmal hilfreich sein, eigene Motive und Erwartungen zu kennen und zu hinterfragen.
  • Wissen zur Krebserkrankung der betroffenen Person hilft Sorgen und Ängste abzubauen. Die Krebsliga bietet Broschüren zu einigen Erkrankungen. Jede Erkrankung ist jedoch einzigartig. Im Internet gibt es eine Fülle von Informationen, die nicht alle gleich verlässlich sind. Vermeiden Sie Patientenforen und orientieren Sie sich an den offiziellen Seiten der Krebsgesellschaften. Manchmal lassen sich Fragen auch mit der Betroffenen Person klären.
  • Sorgen Sie für Entlastung: Sport, Hobby, in die Natur gehen, Freundschaften pflegen, Gespräche usw.
  • Schaffen Sie Zeiten, wo Sie über das Thema nachdenken und Zeiten, in denen Sie sich mit anderem beschäftigen. Dazu gehört, dass Sie Ihre eigenen Grenzen der Belastbarkeit kennen (lernen).
  • Wenn Sie die Möglichkeit haben, nutzen Sie den Halt eines Teams: bspw. mit Hausarzt, Krebsliga, usw. So können Sie auch Verantwortlichkeiten verteilen. Beachten Sie jedoch Schweigepflichten.
  • Nutzen Sie Supervisionen.
  • Wenn Sie Gespräche mit den Betroffenen führen, sorgen Sie dafür, dass Sie genügend Zeit zur Vor- und Nachbereitung haben. Das Gespräch sollte in einem ruhigen und ungestörten Moment und Ort stattfinden.
  • Hält die Belastung an oder lässt sie sich nicht mit Ihren gewohnten Bewältigungsstrategien mindern: Ziehen Sie psychologische Unterstützung hinzu.