Wie Fachpersonen mit Kindern über Krebs sprechen

In der Beratung

Beim Erstgespräch mit Kindern ist es wichtig zu Beginn den Anlass des Gesprächs und die Rolle des Beraters zu erklären. Für ältere Kinder und Jugendliche ist es zudem wichtig zu erfahren, was im Gespräch der Schweigepflicht unterliegt. Im Gespräch bietet es sich an das Krankheitsverständnis des Kindes zu explorieren, also was es über den Krebs, die Auswirkungen und die Behandlungen weiss. Dabei kann es vorkommen, dass das Kind ein anderes Verständnis der Krankheit entwickelt hat als die Eltern, insbesondere, wenn die Eltern nur einmal über die Erkrankung informiert haben. Ausserdem ist es wichtig die Kinder nach deren Ideen, wie es zum Krebs gekommen ist (Ursache), zu befragen, da viele Kinder Krebs irrtümlich mit ansteckenden Krankheiten oder eigenem Verschulden in Zusammenhang bringen. Diese Vorstellungen können von den Eltern entkräftet werden. Äussert das Kind Fragen, können diese gesammelt und die Antworten mit den Eltern (oder mit dem Arzt) besprochen werden. Antwortvorschläge auf häufige Fragen finden Sie weiter unten.

Laden Sie den Leitfaden zum Gespräch mit Kindern und Jugendlichen (PDF) herunter.

Tipp

Wie Sie altersentsprechend auf die Kinder eingehen können, lesen Sie weiter unten oder laden Sie die Informationen als PDF herunter und geben Sie sie direkt den Eltern mit! Lesen Sie auch unter Webseite empfehlen was Sie den Eltern anraten können.

Als Lehrperson

Versuchen Sie sobald Sie von der Krebsdiagnose der Eltern erfahren, regelmässigen Kontakt zu den Eltern und dem Schüler aufzubauen. Die Schule ist ein wichtiger Ort für die Kinder, um Stabilität und Kontinuität zu erleben, da ist es gut, wenn Sie als Lehrer aktiv eingebunden sind. Viele Lehrer fragen sich, wie sie das Thema mit den Kinder ansprechen sollen. Am besten offen und dem Alter des Kindes entsprechend! Im Folgenden finden Sie weitere Informationen und Tipps zu den Gesprächen. 

Altersentsprechende Gespräche

Die untenstehenden Informationen zu altersentsprechenden Gesprächen können Sie auch hier herunterladen. Dieselben Informationen und Tipps erhalten die Eltern auch in Ihrem Bereich!

Antworten auf häufige Fragen von Kindern und Jugendlichen können Sie hier herunterladen (PDF). Ausserdem enthalten: Was machen wenn das Kind / der Jugendliche nichts fragt oder sich zurückzieht?

Kinder denken beim Wort „Krebs“ vielleicht eher an ein Tier oder wissen gar nicht, worum es sich handelt. Vieles, was sie nicht verstehen, leiten sie von den Reaktionen der Eltern ab. Sie reagieren deshalb in erster Linie auf die wahrgenommene emotionale Reaktion der Eltern. Wenn Kinder keine Erklärungen erhalten, kann dies verunsichern. Die Kinder können die Situation besser einordnen, wenn sie wissen, dass die Gefühle normal und in Ordnung sie nichts falsch gemacht haben.

In diesem Alter beschäftigen sich Kinder oftmals mit magischen Erklärungen für den Krebs und seine Ursachen. Zum Beispiel dass sie mit ihrem Verhalten den Krebs verursacht zu haben (bspw. „Bin ich nicht brav gewesen?“) oder ihn beeinflussen zu können (bspw. “Wenn ich brav bin, wird Mama/Papa wieder gesund.“). Es fällt ihnen oft schwer, über diese Fantasien zu sprechen. 

Die Kinder fragen sich, ob Krebs ansteckend ist.

Für Kinder dieser Altersstufe ist es wichtig, dass sie wissen, wie der Alltag weiterlaufen wird. Sie sollen wissen, wann und für wie lange der betroffene Elternteil wegen Krankenhausaufenthalten weg sein wird, und wer in dieser Zeit für das Kind da sein wird. Kinder in diesem Alter sind ausserdem neugierig, was im Krankenhaus gemacht wird.

Die kleinen Kinder können die Dauer und Tragweite einer Erkrankung noch nicht erfassen. Auch ist es schwierig für sie abzuschätzen, wie lange jemand weg sein wird. Zudem haben sie noch kein stabiles Konzept von der Endlichkeit des Lebens; das zeigt sich u. a. im Spielverhalten, indem tot sein häufig mit einem langen Schlaf gleichgesetzt wird. 

Zwischen etwa 5-6 Jahren sind die Kinder dann vermehrt interessiert, was im menschlichen Körper passiert. Sie versuchen, das über die Krebserkrankung Gehörte zu verstehen und vergleichen es mit eigenen Krankheitserfahrungen wie einer Erkältung. Die genauen medizinischen Abläufe verstehen die Kinder in diesem Alter aber nicht. 

Die Aufmerksamkeitsspanne der Kinder in diesem Altersbereich ist kurz und beträgt höchstens 10 Minuten.

Auch Kinder in diesem Alter spüren in erster Linie die Belastung der Eltern und reagieren auf die emotionale Reaktion der Eltern. Es kann sein, dass einige Kinder das Wort „Krebs“ bereits im Zusammenhang mit einer Krankheit gehört haben, meistens können sie es aber noch nicht richtig einordnen. Die Schulkinder möchten informiert werden und stellen zu Beginn konkrete Fragen oder hören einfach mal aufmerksam zu, was man ihnen dazu erzählt.

Manchmal fragen die Kinder aber auch nichts. Das ist ganz normal, der Alltag und die Beschäftigung geben Kraft zur Verarbeitung. Jedes Kind braucht unterschiedlich viel Zeit, um sich damit auseinanderzusetzen. 

Auch die Schulkinder haben das Bedürfnis nach wiederholten Gesprächen. Im Verlauf kann es vorkommen, dass sie weniger fragen und sich mehr zurückziehen. Man kann den Eindruck bekommen, dass sie mit der Situation eigentlich ganz gut zurechtkommen. Kinder wollen sich typischerweise von ihrer tapfersten Seite zeigen und ihre Ängste und Gedanken für sich behalten. Manchmal kann es auch so weit gehen, dass sie eigene Gefühle und Bedürfnisse als unwichtig erachten, und es zur seelischen Überforderung ohne deutliche Symptome oder Hilferufe kommt.

Die Kinder wollen meist zu Beginn wissen, ob man an der betreffenden Krankheit sterben kann. Sie machen sich viele Gedanken über den Krebs und ziehen eigene Schlussfolgerungen. Auch diese Kinder fragen sich, ob sie selber Schuld haben, Krebs anstecken ist und wie sie den Krebs heilen können. 

Schulkinder haben häufig Probleme, wie sie mit dem Thema in der Schule umgehen sollen; ob sie etwas sagen sollen, wann und wem. Ältere Schulkinder und Jugendliche möchten sein „wie alle“. Eine Krebserkrankung eines Elternteils kann dies erschweren. 

Auch fragen sie häufiger nach konkreten Veränderungen im Alltag, z.B. „Wer holt mich von der Schule ab? Wo werde ich zu Mittag essen?“. 

Je älter die Kinder werden, desto mehr können sie die medizinischen Vorgänge und Abläufe verstehen und entwickeln vielleicht ein Interesse daran. Es ist deshalb wichtig, das Kind auch über die Untersuchungen, Behandlungsmethoden und absehbaren Begleiterscheinungen zu informieren. 

Die Kinder wollen mitdenken und in die Planung und Überlegungen miteinbezogen werden. 

Die Aufmerksamkeitsspanne des Kindes in diesem Altersbereich beträgt ungefähr 20 Minuten.

  • Bilderbücher können Erklärungen und ein Grundverständnis über die Erkrankung und Behandlung vermitteln. Die Kinder-Bildergeschichte in Kapitel 1 KOMMUNIKATION führt kindgerecht in das Thema ein. Geben Sie Anregungen zur Literatur. 
  • Halten Sie das Gespräch kurz, oder bauen Sie Pausen oder für das Kind Spielmöglichkeiten ein (Achten Sie auf die Aufmerksamkeitsspanne und Zeichen der Ermüdung)
  • Wiederholungen von Gesagtem helfen bei der Verarbeitung
  • Nicht alle Fragen oder Anliegen müssen in einem Gespräch geklärt werden.
  • Betonen Sie, dass das Kind keine Schuld an der Krankheit hat, bspw.: „Das ist von alleine gekommen, so wie du manchmal plötzlich Bauchweh bekommst. Es kommt sicher nicht davon, dass du oder ich etwas falsch gemacht haben oder nicht lieb waren.“
  • Lassen Sie die Eltern den Kinder Sicherheit vermitteln: bspw. „Die Ärzte geben mir Medikamente, dass der Krebs kleiner / weggeht“
  • Wenn es um die Planung des Alltags geht: Geben Sie zeitliche Anhaltspunkte, wie lange jemand weg ist, bspw.: „bis zu deinem Geburtstag.“ Oder: “Noch sieben Mal schlafen, dann …“
  • Grenzen Sie den Krebs von harmlosen Erkrankungen, die das Kind bereits kennt, ab: Versichern Sie dem Kind, dass Krebs nicht ansteckend ist, bspw.: „Wir können genauso kuscheln wie vorher.“
  • Manchmal kann es hilfreich sein, Spielmaterial mit ein zu binden (Klötze, Puppen usw.)