Häufig gestellte Fragen von Jugendlichen

Lies hier die Antworten zu den häufigsten Fragen von Jugendlichen nach! 

Möchtest du mehr über die Krebsart deiner Mutter oder deines Vater erfahren? Oder vielleicht interessierst du dich für Zahlen und Fakten oder inwiefern ein Krebs genetisch bedingt ist?

Die Krebsliga Schweiz verfügt über eine Bibliothek zu den verschiedenen Krebsarten. 


Wodurch bekommt man Krebs?

Bis heute ist unklar, was genau die Ursachen von Krebserkrankungen sind. Man weiss aber, dass immer mehrere Faktoren an der Entstehung einer Krebserkrankung beteiligt sind. Zu den bekannten Faktoren (sogenannte Risikofaktoren) gehören bestimmte Verhaltensweisen, Umweltbedingungen und genetische Veranlagungen: Zum Beispiel Rauchen, das regelmässige Trinken von zu viel Alkohol, eine ungesunde Ernährung (sehr viele fettige Nahrungsmittel und zu wenig Gemüse und Obst), zu wenig Bewegung und das Einatmen von giftigen Stoffen und Dämpfen (die teilweise in Industrieanlagen entstehen). Vor allem aber steigt das Krebsrisiko mit dem hohen Alter an.


Wieso ist ausgerechnet meine Mutter / mein Vater an Krebs erkrankt?

Ganz egal, ob deine Mutter / dein Vater vor der Krebsdiagnose gesund gelebt hat oder nicht, du fragst dich bestimmt, wieso es ausgerechnet deine Mutter / deinen Vater treffen musste und du findest es vielleicht unfair. Es ist schwer zu sagen, wieso jemand an Krebs erkrankt, da immer mehrere Gründe mitspielen. Worüber du dir aber unbedingt bewusst sein sollst: Es ist ganz bestimmt nicht die Schuld von irgendjemandem, auch nicht deine. So kann deine Mutter / dein Vater beispielsweise nicht durch dein Verhalten oder deine Schulnoten an Krebs erkrankt sein. Es ist vielmehr Zufall oder Schicksal, dass genau deine Mutter / dein Vater an Krebs erkrankt ist. 


Muss man sterben, wenn man an Krebs erkrankt ist?

Man stirbt an Krebs, wenn die Krankheit nicht behandelt wird. In den letzten 30 Jahren hat die Medizin viele neue Behandlungsmethoden entwickelt und es gibt viele Krebsbetroffene, die geheilt werden und danach wieder ein ganz normales Leben führen können. Ganz wichtig ist: nie die Hoffnung aufgeben!

Die Chancen geheilt zu werden sind abhängig  vom Zeitpunkt des Erkennens, von der Art des Krebs (welches Organ, welche Körperteile sind betroffen) sowie von den Therapie- und Behandlungserfolgen. Je früher Krebs erkannt wird, desto weniger hat er sich bereits im Körper ausgebreitet und desto einfacher ist es, ihn zu heilen. 


Wird meine gesunde Mutter / mein gesunder Vater jetzt auch Krebs bekommen?

Wie schon gesagt ist Krebs nicht ansteckend. Dein gesunder Elternteil hat genau dasselbe Risiko an Krebs zu erkranken wie alle anderen gesunden Personen. Diese Wahrscheinlichkeit steigt für sie / ihn also keinesfalls an.


Wie sehen die Überlebenschancen aus?

Die Überlebenschancen sind von Person zu Person ganz unterschiedlich, denn sie hängen von sehr individuellen Dingen wie beispielsweise vom Diagnosezeitpunkt, Krankheitsstadium, Ausmass der Krankheit und von den Behandlungsmöglichkeiten ab. Wenn du dazu Fragen hast, ist es am besten, wenn du dich an deine Eltern wendest. Es kann auch hilfreich sein, wenn du deinen Vater/deine Mutter zum Arzt begleitest und dort deine Fragen zur Krankheit oder zu den Überlebenschancen stellst.  


Welche Behandlungen gibt es und was sind die Nebenwirkungen?

Informiere dich über die verschiedenen Behandlungen und Nebenwirkungen in unserem Video im Kapitel ALLGEMEIN.


Ist es normal, dass sich meine Mutter oder mein Vater durch die Krebserkrankung verändert?

Deine Mutter / dein Vater ist womöglich häufig  müde und erschöpft von Therapien, Krankenhausaufenthalten, Medikamenten, Schlafschwierigkeiten, oder weil sie / ihn die Erkrankung beschäftigt. Damit sie / er über diese Dinge in Ruhe nachdenken und sich von der Behandlung immer wieder erholen kann, möchte sie / er vielleicht mehr alleine sein als früher.

Es kann sein, dass deine Eltern häufiger weinen, wütend oder  ärgerlich sind, oder dass sie ungeduldiger sind als sonst. Auch dies liegt nicht an dir und du bist schon gar nicht schuld daran. Diese Reaktionen gehören zu der Auseinandersetzung mit einer schweren Erkrankung dazu und sind ganz normal.

Du kannst deiner Mutter / deinem Vater die Situation erleichtern, indem du signalisierst: „Ich verstehe das, ich bin für dich da, wenn du mich brauchst.“ Du musst dich aber nicht immer zurücknehmen, sondern darfst Dinge, die für dich schwierig sind, auch ansprechen. Nur dann könnt ihr Lösungen finden! Für deine kranke Mutter / deinen kranken Vater ist es wichtig, dass du offen mit ihr/ihm sprichst.


Was kann ich für meinen erkrankten Vater / meine erkrankte Mutter tun?

Den Krebs einfach wegzaubern kann leider niemand. Aber damit die Erkrankung erträglicher wird, kannst du ihnen bestimmt helfen, indem du ihnen mal eine Freude oder Überraschung machst.

Vielleicht hast du gerade schon eigene Ideen? Hier gibt es noch weitere Anregungen:

  • Du kannst deinen Eltern zu Hause hin und wieder zur Hand gehen und z. B. beim Aufräumen oder Essenmachen helfen. Helfen heisst aber keinesfalls, dass du alle Aufgaben übernehmen sollst, die sonst die Erwachsenen in eurer Familie erledigt haben!
  • Wenn du Lust hast, überrasche deine Mutter / deinen Vater oder beide zusammen einmal, indem du ihnen z. B. ein schönes Frühstück ans Bett bringst oder deine Kreativität spielen lässt (Malen, Schreiben, Basteln).
  • Du kannst deine Eltern auch einfach fragen, was sie sich von dir wünschen. Manchmal ist es einfacher zu fragen, statt sich selbst zu viele Gedanken darüber zu machen, was man für den anderen tun möchte, sollte, müsste.
  • Wenn deine Mutter / dein Vater ins Krankenhaus muss, kannst du ihr/ihm etwas mitgeben, das ihr / ihm symbolisch Kraft gibt.
  • Gib deinen Eltern Zeit, alleine zu sein, wenn sie es brauchen. Vielleicht hast du Geschwister, mit denen du etwas unternehmen kannst, das entlastet deine Eltern sehr!
  • Wenn du dich in deinem Freundeskreis, beim Sport oder beim Ausgehen entspannen und ablenken kannst und merkst, dass dir das guttut, dann teile dies deinen Eltern mit. Sie werden froh sein, dass es dir dort gut geht.
  • Wenn deine Mutter / dein Vater im Krankenhaus ist, kannst du fragen, ob du einen Besuch machen darfst. Es wird deine Mutter / deinen Vater bestimmt sehr freuen. Sei aber nicht enttäuscht, wenn deine Mutter / dein Vater bei deinem Besuch nur im Bett liegen kann oder sogar einschläft. Nach Operationen und Behandlungen ist der Körper sehr erschöpft. Es kann auch sein, dass du keinen Besuch machen darfst, weil es für deine Mutter / dein Vater noch zu anstrengend wäre. Nicht dass DU ihnen zu anstrengend wärst, aber vielleicht ist ihr / sein gesundheitlicher Zustand noch nicht gut genug, um Besuch zu erhalten. Vielleicht magst aber auch du gar keine Krankenhaus-Luft schnuppern, weil du dich dort unwohl fühlst. Das ist okay und das darfst du deinen Eltern auch einfach sagen.

Darf ich auch mit anderen über die Erkrankung meiner Mutter / meines Vaters sprechen? Mit wem soll ich darüber reden?

Auf jeden Fall - du sollst sogar mit anderen über die Erkrankung sprechen, denn das kann dir helfen, mit der Situation klarzukommen. Wichtig ist aber, dass du nicht einfach jedem davon erzählst, sondern nur Personen, denen du vertraust wie z.B. guten Freunden, Grosseltern, Geschwistern, Verwandten oder Lehrern).  Besprich doch mit deinen Eltern,  wen du informieren möchtest, sodass auch sie einverstanden sind. Denk aber dran, dass nicht immer alles stimmt, was andere Personen dir über Krebs erzählen. Oft sind sie nur ungenügend über die Erkrankung informiert. 


An wen kann ich mich wenden, wenn ich niemanden habe, mit dem ich reden kann?

Wenn du mit niemandem aus deinem Familien- und Bekanntenkreis über die Erkrankung deiner Mutter / deines Vaters und deine Erlebnisse sprechen möchtest oder zusätzlich mit jemand anderem reden willst, empfehlen wir dir den Chat für Jugendliche der Krebsliga Schweiz: CANCERLINE

Bei Pro Juventute findest du zudem einen Notfall-Service 147, wo du dich telefonisch oder per SMS melden kannst. 


Ich bin oft so traurig über die Krankheit meiner Mutter / meines Vaters und habe Angst, dass sie/er stirbt. Aber ich möchte sie/ihn mit meiner Angst nicht noch zusätzlich belasten. Wie soll ich mich verhalten?

Suche eine Möglichkeit, in Ruhe mit deinen Eltern offen über deine Angst zu reden. Wenn man schweigt, wird die Angst nicht kleiner! Wenn ihr versucht offen über eure Gefühle zu sprechen, kann dies Einiges erleichtern. Ihr könnt euch gegenseitig Mut und Hoffnung machen. Vielleicht fragst du dich, wieso deine Eltern dich nicht direkt ansprechen. Das wird daran liegen, dass auch für sie die Situation nicht einfach ist und sie es vielleicht schwer finden, das Ganze anzusprechen. Wage es, den ersten Schritt zu machen! Gib nicht auf, wenn beim ersten Versuch noch kein sehr gutes Gespräch entsteht. Es braucht etwas Geduld und Zeit, ihr müsst zuerst lernen, gemeinsam offen über Probleme zu sprechen. 


Manchmal packt mich die Wut auf die Krankheit und alles, was sie mit sich bringt. Ich traue mich aber nicht, das zu zeigen, denn meine Mutter / mein Vater hat schließlich schon genug Probleme...

Es ist verständlich, dass dich manchmal einfach die Wut ergreift. Wahrscheinlich sind auch deine Eltern und Geschwister manchmal sehr wütend und fragen sich, wieso es genau eure Familie getroffen hat. Wut darf sein. Gesteh sie dir ebenso zu wie deinen Eltern und Geschwistern. Denk auch darüber nach, ob sich hinter der Wut noch andere Gefühle wie Angst und Trauer verbergen. Versuch diese Gefühle anzusprechen, auch wenn es dir bestimmt nicht leicht fällt. 


Ich würde so gern öfter mal wieder ausgehen, meine Freunde treffen und fröhlich sein. Aber ich trau mich nicht, weil ich dann das Gefühl habe, meine Mutter / meinen Vater allein zu lassen. Oder ich komme mir egoistisch vor, weil ich Spass habe.

Deine Bedenken sind verständlich. Frag deine Mutter / deinen Vater einfach, ob es okay ist, wenn du ausgehst. Deine Eltern wünschen sich bestimmt, dass es dir gut geht und dies gilt besonders jetzt, wenn ein Elternteil Krebs hat. Sie haben sicher Verständnis dafür, dass du mit Freunden ausgehst. Es ist sehr wichtig, dass du dein gewöhnliches Leben so gut wie möglich weiterführst und Spass haben kannst. Gehe deinen Hobbys nach, wie du es schon vorher gemacht hast oder, wenn du Lust hast, vielleicht auch etwas mehr. Wenn du merkst, dass du besonders gern Fussball / Volleyball spielst oder Fahrrad fährst, so mach dies ruhig öfters. Bewegung ist sehr wichtig für die Seele, den Kopf und den Körper. So kannst du Kraft für diese schwere Zeit tanken. 


Früher hat es mir nicht so viel ausgemacht, wenn ich mich mit meiner Mutter / meinem Vater gestritten habe. Jetzt hab ich Angst, dass ihr/ihm das alles zu viel wird.

Deine Angst, dass Streit deine Mutter / deinen Vater belastet, ist völlig verständlich. Aber alles hinunterzuschlucken ist noch belastender für eure Beziehung. Es ist wichtig miteinander zu reden, auch wenn ihr mal unterschiedlicher Meinung seid. Das gilt auch bei Krebs. Du kannst aber deine Mutter / deinen Vater fragen, ob sie / er es im Moment gerade erträgt, sich über etwas auseinanderzusetzen. Vielleicht kannst du gewisse Fragen oder Konflikte eher mit deinem gesunden Elternteil austragen?


Alles dreht sich nur noch um die Krankheit meiner Mutter / meines Vaters. Wie mich das nervt...!

Wie Recht Du hast! Und wie unrecht es gleichzeitig ist! Es ist klar, dass du am liebsten all diese belastenden Nachrichten ungehört, ungesehen, unausgesprochen machen möchtest. Dass du dir oft wünschst, einfach zurück in den Alltag vor der Diagnose „Krebs“ zu gehen. Aber leider nimmt die Krankheit jetzt im Familienleben einen großen Raum ein und die Stimmung hängt nicht selten von der letzten Untersuchung deiner Mutter / deines Vaters ab. Meist ändert sich das wieder, wenn die Hauptbehandlungsphase abgeschlossen ist, bald kann die Sache also schon wieder ganz anders aussehen. Für die intensive Zeit bis dahin ist es wichtig, dass du bewusst auch Dinge ausserhalb des Themas Krebs unternimmst, damit du zwischendurch durchatmen kannst. Ganz sollst und kannst du dich aber nicht von der Krankheit abwenden und auch die belastenden Nachrichten sollst du nicht ignorieren.

Gibt es vielleicht Personen, mit denen du über deinen Ärger sprechen könntest? Oft ist das sehr erleichternd. 


Ich bin oft total traurig und mutlos. Dann weiß ich gar nicht mehr weiter.

Mit diesem Gefühl bist du nicht allein. Jede schwere Erkrankung macht traurig und lässt Ängste aufkommen, weil du nicht weisst, was noch alles auf dich zukommen wird. Das gilt aber für alles im Leben: Jederzeit kann etwas passieren, womit du nicht gerechnet hast. Lass dich davon nicht erdrücken! Sprich mit Menschen, denen du vertraust, über deine Ängste und Sorgen. Schäme dich nicht, wenn du dir Rat und Hilfe holst, um mit all dem, was da auf dich zukommt, fertig zu werden. 


Wie komme ich an weitere Informationen?

Schaue dir das Video unter ALLGEMEIN an. Hier wird erklärt, was Krebs ist, welche Behandlungsmethoden es gibt und was alles zum neuen Familienalltag hinzukommt. Schau doch regelmässig wieder in diesen Abschnitt rein, wenn Fragen auftauchen. Vielleicht findest du dort eine Antwort.

Im Internet gibt es zudem viele gute Websites, einige haben wir dir unter LINKS UND LITERATUR aufgelistet. Leider findest du zu einer Frage im Internet aber auch häufig Antworten, die nicht stimmen. Jede Erkrankung und ihr Verlauf sind individuell, darum ist das Internet nicht immer die beste Anlaufstelle. Daher ist es gut, wenn du dir die Informationen notierst und sie mit dem Arzt oder deinen Eltern besprichst.